(Leider fast nur) Männer und ihre Spielzeuge

Weil es mir kürzlich zum zweiten Mal ganz bewusst passiert ist und ich es, bei aller Professionalität, verstehen kann, möchte ich diese Geschichte mit dir, lieber Leser, teilen.

Zum Jahreswechsel 2020/21 bekam ich, über Vermittlung eines gemeinsamen Freundes, vom Geschäftsführer eines Konzerns den Auftrag, ein amerikanisches Cabriolet, natürlich mit V8-Motor, für ihn zu suchen. Er liess mir sehr viele Freiheiten, was Marke, Ausstattung usw. angeht. Kurz vor Ostern bot ich ihm einen Ford Thunderbird Baujahr 1955 an, knallgelb, restauriert und in einem guten Zustand. Ich erinnere, es war Ostermontag, als die Zusage zum Kauf kam. Ich importierte den Wagen aus den Niederlanden, liess ihn zulassungsfertig machen und es kam der Tag der Fahrzeugübergabe. Mein Kunde und seine Frau warteten zuhause auf mein Eintreffen mit ihrem neuen, ersten Oldtimer und, ach wie gross war die Freude! Ich setzte mit meinen Erklärungen zum Fahrzeug an, aber mein Kunde wollte nur eines: Losfahren! Er hatte weder Lust noch Zeit, sich den Wagen zeigen zu lassen. Die Frau auf den Beifahrersitz gesetzt und weg waren die Zwei mit ihrem Donnervogel.

Etwas länger ist es her, etwa Mitte 2018, dass mich ein erfolgreicher Unternehmer auf einer Veranstaltung des Marketing Club Vorarlberg ansprach und in einem Nebensatz fallen liess, dass er gerne ein rotes Ford Mustang Cabriolet mit schwarzer Innenausstattung aus seinem Jahrgang hätte, es würde aber nicht eilen. Ich bot ihm hin und wieder ein Fahrzeug an, aber der Zeitpunkt passte nicht. Heuer, im Frühjahr 2022, fand ich ein sehr schönes 1968er Mustang Cabrio in Deutschland, schlug ihm den Wagen vor, und nach einem kurzen in-sich-gehen seinerseits machten wir Nägel mit Köpfen. Die Abwicklung bis zur Auslieferung verfolgte er in seiner korrekten Art akribisch, kümmerte sich um die zweizeiligen Kennzeichen und konnte es am Tag der Übergabe nicht bis zum vereinbarten Zeitpunkt um 14:00 Uhr aushalten, sondern stand schon um 13:15 Uhr vor meiner Türe. Gemeinsam montierten wir die Kennzeichen auf seinen Mustang, er setzte sich stolz und happy hinein und ich wollte mit der Erklärung zum Fahrzeug beginnen. Er meinte nur in etwa „Alles klar, los geht’s!“ und fuhr davon, während sein Kumpel, der ihn filmte und ich, der gerne ein paar Fotos gemacht hätte, ihm sprachlos hinterhersahen. Und weg war er!  

Auf was ich hinausmöchte: Unser liebstes Hobby, die Oldtimerei, ist Emotion pur! Der Zeitpunkt der Übergabe eines Fahrzeugs an den Besitzer lässt fast keinen Platz für Sachlichkeit, und ich finde das ganz wunderbar.

Wunderbar war vor Kurzem eine Nachricht des Thunderbird-Besitzers, ob wir heuer vor Saisonbeginn doch noch eine Einschulung ins Fahrzeug mit korrektem Startprozedere, Einsatz des Poltrenn-Schalters usw. machen könnten. Letztes Jahr ging doch manches daneben, aus reiner Unwissenheit. Ich bin gespannt, wann sich der Herr Mustang mal diesbezüglich meldet…

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